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Die Wahrnehmung des Besonderen

Rotary und Neue Musik

Der Zufall war es, der den Weg für eine neue Konzertreihe in Husum ebnete, und die der Rotary-Club von Anfang an unterstützte.

Als ich im Jahre 2013 einige klassische Klarinettensoli, gespielt von der ungarische Klarinettistin Boglárka Pecze hörte, war ich begeistert. Im anschließenden Gespräch erfuhr ich, dass sie gemeinsam mit der schweizer Cellistin Eva Boesch und der koreanischen Pianistin Sun-Young Nam im Trio Catch musiziert. Alle drei lernten sich, nachdem sie ein klassisches Studium absolviert hatten, bei der Internationalen Ensemble Modern Akademie kennen und haben sich seitdem der Musik der Moderne verschrieben. Spontan verabredeten wir ein Konzertabend in Husum.

Neue Musik ist schwer zu beschreiben und noch schwerer zu definieren; es fehlen gefällige Harmonien und einen „Gassenhauer“ wird man schon gar nicht finden. Die Fachleute reden vom neuartigen musikalischen Material anstelle von Melodien, ersetzen Harmonien durch Strukturen, diskutieren über neuartige Spieltechniken und wenn der klassische Hörer den Wohlklang sucht wird ihm mit Verfremdung geantwortet.

Alles in Allem irritierend, ungewohnt, fremd ABER lässt man sich erst einmal darauf ein, wird es zu einer aufregenden Klangreise.

Die Wegbereiter dieser neuen Musik sind eigentlich schon wieder Klassiker. Gut einhundert Jahre ist es her, dass Alban Berg, Arnold Schönberg oder Igor Strawinsky die gewohnte klassische Hörwelt erneuerten. Wie in einem Strudel entwickelten darauf die Komponisten immer wieder neue klangliche Ansätze: John Cages Komposition 4’33’’ ist ein Beispiel, was Neue Musik bewirken will (und kann). In der Klavierfassung legt sich der Interpret die Noten zurecht und hat eine Stoppuhr in der Hand. Der offene Klavierdeckel wird geschlossen. Warten, in den Raum hören … Der erste Satz ist beendet, der Klavierdeckel wird geöffnet.

 

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Zwei Sätze folgen, am Schluss steht der Solist auf und verbeugt sich.... wie im klassischen Konzert. Gespielt wurde aber KEIN einziger Ton. Eine Provokation? Eine Verhöhnung des Publikums?

Mitnichten, John Cage wollte die Zuhörer zwingen wahrzunehmen, was sie in einem Konzert hinlänglich nicht wahrnehmen: den Raum, die Stille, die eigene Atmung oder das verhaltene Husten des benachbarten Konzertbesuchers.

Auf einmal werden die Zuhörer zu Akteuren und das ist gewollt ob sie wollen oder nicht.

Wenn das Trio nicht gerade in einen der europäischen Konzertsäle auftritt oder auf den Spezialfestivals der Avantgarde spielt, dann organsiert es in ihren eigenen Reihen sog. Werkstattkonzerte.

Zuerst wird die Komposition gespielt. Danach stellen die Musikerinnen die Komposition vor: erklären Besonderheiten in den Klängen, ungewöhnliche Erzeugungen der Töne, berichten von den Schwierigkeiten bei der Einstudierung und wie sie sich untereinander verständigen. Danach treten sie mit dem Publikum in einen Dialog. Fragen können gestellt werden ein Blick in das Klavier.... Besonders interessant ist es, wenn der Komponist anwesend ist. Man erfährt dann sehr viel und lernt nicht nur das Stück kennen, sondern auch den Prozess der Entstehung. Sind alle Fragen geklärt, wird das Stück noch einmal gespielt. Mit dem Wissen und den Informationen hört man das gleiche Stück mit NEUEN Ohren.

Bei einer Komposition des ungarischen Komponisten Marton Iles gibt es eine Sequenz, in der der zweiunddreißigstel Noten im Kreis gespielt werden: die erste Note kommt vom Klavier, die zweite vom Cello, die dritte von der Klarinette, die vierte vom E-Piano usw. Wenn man das zum ersten Mal hört, wird es kaum wahrgenommen; dann führen die Musikerinnen diese Passage so auf, wie sie sie einstudiert haben.

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Ein HörBlick in die Werkstatt von leidenschaftlichen Musikerinnen hat mich neugierig gemacht und seitdem nicht mehr losgelassen und so habe ich angefangen, im Rittersaal vom Schloss vor Husum Konzerte zu veranstalten. Noch nie zuvor war ich Konzertveranstalter gewesen aber ich möchte, dass viele Menschen diese Musik kennen lernen.

Nach Möglichkeit gibt es an drei Tagen bis zu vier Konzerte im Mai. Meine Begeisterung wird fachkundig unterstützt durch den Klarinettisten Stefan Heinz, der Pianistin Sun-Young Nam. Sie beraten mich bei der Auswahl der Musiker, machen mich auf interessante Ensembles und spanende Komponisten aufmerksam. Gemeinsam mit den Solisten und Ensembles der letzten Jahre ist so ein freundschaftliches Netzwerk entstanden, dass ein sehr hohes Musikalisches Niveau gewährleistet.

Eine weitere Besonderheit dieser Konzertreihe besteht darin, dass die Musiker und Musikerinnen den Vormittag nutzen, um in der Aula der HTS für Schüler/innen eine Musikvermittlung anzubieten. Bisher wurde in den Workshops ein Klanghörspiel erarbeitet, die Blockflöte von der Pikkolo-Flöte bis zur überdimensionierten Petzold-Blockflöte vorgestellt. Die Schüler lernen die Instrumente kennen, stellen Fragen, probieren aus und kommen mit den Künstlern ins Gespräch.

Solche Augenblicke sind für mich sehr beglückend. Die Leidenschaft der Künstler springt sehr schnell auf die Kinder über die Zeit vergeht wie im Fluge. Diese strahlenden Gesichter sind jedes Jahr wieder der Impuls für ein weiter so im nächsten Jahr.

Unterstützung erfährt das Festival durch die Johann-Max-Böttcher-Stiftung, den RC Husum und einige andere Sponsoren. An dieser Stelle sei allen für die Unterstützung herzlich gedankt.

- Matthias Schenke -

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